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GESCHICHTE

Moldava (Moldau)  

 
Die Gemeinde Moldava liegt an dem alten Salzpfad von Hrob nach Frauenstein in Sachsen. Die Gemeindeentwicklung trennte im Laufe der Zeit Moldava in einen oberen und einen unteren Teil. Das obere Moldava finden wir am Grenzübergang und dem Endpunkt der Eisenbahnlinie, das untere Moldava bildet sich rund um die Kirche und die ehemaligen Bergwerke.
 
Bodenfunde aus der jüngeren Steinzeit belegen das Alter der Besiedlung unseres Gebietes. Wegen ihres natürlichen Reichtums reizten die bewaldeten  Forstgebiete des Riesengebirges schon sehr früh die Glasbläser.  Für die Glasbläserei braucht man sehr viel Holz. Die ersten Zeugnisse über Glasbläserei in Moldava, dem Herrschaftsgebiet derer von Riesenburg, stammen aus dem Jahre 1392. Es handelt sich hierbei um Holzrechnungen, die im Staatsarchiv in Dresden aufbewahrt werden. Die Existenz einer Glashütte belegt ein Dokument vom 04. 02. 1398, in dem geschrieben steht, dass Boreš von Riesenburg eine Waldglashütte an Wilhelm aus Meißen verkaufte. Im Jahre 1348 erscheint in den Kirchenrechnungen des Meissner Kapitels der Name Mulda. Dieses Jahr belegt den Bau eines wahrscheinlich hölzernen Kirchleins.
 
Bei fachgerechten Untersuchungen wurden in der Umgebung von Moldava fünf Glashütten entdeckt, welche heute einen Bestandteil des Lehrpfades „ Auf den Spuren der Glasbläserei in Moldava“ bilden. In den Jahren 1537 – 1547 bestimmte König Ferdinand I eine feste Grenzziehung. Moldava fiel der tschechischen Seite zu. Im Jahre 1560 wurde in Moldava Silber gefördert, die Förderung hielt aber nicht sehr lange an.
 
Durch die unmittelbare Grenznähe kam es zu Problemen mit Protestanten und Katholiken. Bei der gewaltsamen Katholisierung gingen die Moldavaer zum Gottesdienst ins benachbarte Hermsdorf und die katholische Kirche blieb leer. Diese Gewalt führte auch zur Flucht über die Grenze. Seit dem Jahre 1687 gibt es einen katholischen Pfarrer an der Marienkirche in Moldava. Während des dreißigjährigen Krieges kamen hier sächsische, schwedische und kaiserliche Truppen durch, Waldstein weilte hier nach seiner Niederlage in Lützen. Das therezianer Kataster registrierte damals 37 Landwirte, 4 Müller und je einen Schuster, Schneider, Zimmermann und Schankwirt. Die Bürger arbeiteten im Wald oder widmeten sich der Viehzucht. Das Moldavaer Holz wurden nach Sachsen exportiert, vorwiegend in die Freiberger Bergwerke.
 
Zwischen Moldava, Oldříš und Nové Město findet man noch heute umfangreiche Torfbecken. Torfmoor wurde gefördert und aus den Bergen in das Bad nach Teplice oder über die Grenze transportiert. Das Jahr 1787 registrierte 81 Häuser sowie 4 Häuser aus der Siedlung Vápenice. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Weg von Mikulov nach Freiberg ein österreichisches Zollamt errichtet.
 
Im Jahre 1833 zählte Moldava 701 Einwohner und 105 Häuser, zehn Jahre später 741 Einwohner in 112 Häusern. Im Jahre 1850 wurden die Gemeinden Pastvina (Weide) und Oldříš eingemeindet, haben sich jedoch später wieder verselbständigt
 
Die Moldavaer Schule wurde im Jahre 1792 gegründet, als Einklassenschule funktionierte sie nur im Winter, die Zweiklassenschule wurde im neuen Gebäude im Jahre 1870 eröffnet. In die Schule in Moldava gingen bis zum Jahre 1867 auch die Kinder aus Pastvina.
 
Im Jahre 1880 sind 723 Einwohner registriert, im Jahre 1885 125 Häuser und 732 Einwohner, im Jahre 1890 136 Häuser und 864 Einwohner, von denen 23 tschechischer Nationalität waren, im Jahre 1921 114 Häuser und 930 Einwohner (43 Tschechen) und im Jahre 1930 875 Einwohner.
 
In den Jahren 1871 – 1884 wurde die Eisenbahnstrecke Most – Dubí – Moldava erbaut. Die Streckenführung wurde nach dem sächsischen Holzhau, Freiberg und das sächsische Kamenice weitergeführt. Auf dieser Strecke wurden Kohle, gefördertes Erz und Holz aus dem Riesengebirge und selbstverständlich auch Touristen transportiert. Im Jahre 1997 wurde das größte Teilstück der Strecke in Tschechien zum technischen Denkmal erklärt. Es geht jetzt auch um die Wiederinbetriebnahme der Fahrten nach Sachsen, denn die Gleise wurden nach dem Krieg herausgerissen und das vergangene Regime gestattete nicht, diese neu zu verlegen. Im unteren Teil der Gemeinde Moldava wurde im Jahre 1960 eine Flussspat - Ader entdeckt, die bedeutendste in ganz Tschechien.
 
In den 60-ger Jahren kam es zur Zusammenlegung von Moldava und Nové Město.
 

Nové Město (Neustadt)

 
Nové Město breitet sich auf dem Wege von Mikulov nach Moldava aus, die Häuser verteilen sich längs der Strasse. Hier befindet sich auch der Eisenbahn – Haltepunkt der Bahnstrecke Most – Moldava.
 
Die erste Erwähnung über Nové Město stammt vom 25.8.1341, als Jan von Luxemburg Borsa von Riesenburg gestattete, einen neuen Weg über das Schloss Riesenburg nach Dlouhá Louka (Langwiesen) in Richtung Nové Město und Pastviny sowie dem sächsischen Rechenberg und Frauenstein zu bauen. Der Weg war beliebt und das Städtchen erwirtschaftete hohe Zollerträge. Während der Husitenbewegung sank jedoch das Interesse am Übergang. Im 15. Jahrhundert betrug der Zoll für eine Person 1 Heller, für Reiter 2 Heller und für Gespanne 4 Heller.Am 26.07.1438 gab Friedrich von Meissen ein Privilegium heraus, welches die Zollgebühren am Zollamt in Nové Město festsetzte. Der Weg verliert seine Bedeutung unter Ladislaus Jagellonsky.
 
Ursprünglich wurde die Gemeinde Strassburg genannt, die Bezeichnung Nové Město tauchte erst später auf. Am Ende des 18. Jahrhunderts gibt es hier laut dem therezianer Kataster 33 Häuser und je einen Schmelzbetrieb, Mühle und fürstliches Forsthaus.Das Dorf gehörte zum Herrschaftsgebiet des Fürsten Ferdinand Lobkovicz. In den Jahren 1783 bis 1805 befand sich hier eine Manufaktur des Josef Eustachius Horand zur Verspinnung von Baumwolle.In der Zeit des Aufschwungs des Manufakturbetriebes waren bis zu 90 Arbeiter beschäftigt, das fertige Garn wurde zur Weiterverarbeitung nach Verneřice gebracht. In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts sind 201 Einwohner und 33 Häuser registriert, ferner Sägewerk, Gasthof, Mühle und ein Waldhaus, alle Einwohner waren deutscher Nationalität.
 
In Nové Město wurde eine Nebenstelle der Schule von Mikulov eingerichtet, eine Einklassenschule mit 23 Schülern.Im Jahre 1885 waren es bereits schon 47 Schüler. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde jedoch die Schule aufgelöst und die Kinder besuchten diese dann in Mikulov.  Nové Město hatte nie und hat auch bis heute kein eigenes Postamt, keine eigene Pfarrstelle und keine Kirche. Im Jahre 1885 werden 37 Häuser und 187 Einwohner angegeben, alles katholische Deutsche.
 
Die Menschen lebten von der Arbeit im Wald und der Feldwirtschaft, es gab hier einige Handwerker für die Gemeinde und die Finanzstation. Im Jahre 1886 gehörten zu Nové Město die Einöde Willersdorf – Vilejšov und 24 Häuser an den Grünwälder Brachen. Nach dem Jahre 1922 wurden die Ortschaften wieder selbständig. Die Bewohner waren deutscher Nationalität und nach der Aussiedlung blieben die Orte menschenleer. Heute ist Nové Město ein Erholungsgebiet, eine Siedlung der Gemeinde Moldava.Von den ursprünglichen Gebäuden blieben nur acht erhalten. Es gibt hier einige Gebirgshotels. Nové Město lebt im Sommer von Erholungssuchenden, Radfahrern und Touristen, im Winter von Langläufern.
 

Oldříš (Ullersdorf)

 
Ullersdorf, tschechisch Oldříš, war eine typische Berggemeinde mit Häusern, verstreut auf der Talebene am Weg von Nové Město nach Pastvina, Mackov, Vilejšov und Fláje. Oldříš befand sich oberhalb der Gemeinde Moldava, mit der sie gemeinsam mit Pastviny im Jahre 1850 eingemeindet wurde.
 
In alten Reiseführern wird die Gemeinde als Anfang einer Bergwanderung vom Bahnhof Moldava mit frischer Gebirgsluft, gutem Wasser und herrlicher Aussicht ins Grenzgebiet charakterisiert. Im Jahre 1885 befinden sich in Oldříš 76 Häuser mit 386 deutschen Einwohnern. Im Winter war es ein Paradies der Skifreunde, insbesondere der Langläufer. Nach der Zusammenführung der Gemeinden Moldava, Pastvina und Oldříš gab es im Jahre 1850 insgesamt 1751 Einwohner in 71 Häusern, einhundert Jahre später waren es 1865 Einwohner in 274 Häusern, jedoch zwanzig Jahre weiter waren nur noch 970 Einwohner in 140 Häusern, die Anzahl fiel ständig weiter nach unten.
 
Oldříš existiert heute nicht mehr, an der Stelle der ehemaligen Gemeinde finden wir heute nur noch Weideplätze für Rinder und Schafe aus dem moldavaer Gutshof.
 

Pastviny (Grünwald)

 
Pastviny befand sich unweit von Moldava an der Wegkreuzung von Oldříš nach Vilejšov.Mit Moldava war es auch durch einen Pfad zum Zollamt an der sächsischen Grenze zu Holzhau verbunden. Die erste Erwähnung des Ortes finden wir im Jahre 1408 im Duxer Stadtbuch damals gehörte die Siedlung unter die Herrschaft derer von Riesenburg, ab dem Jahre 1654 nach Angaben in der Steuerrolle zur Herrschaft derer von Libčeves. Angegeben wurden 20 sesshafte Bauern und 4 Laubenpieper. Das therezianische Kataster sagte aus, dass der Eigentümer der Gemeinde Ferdinand von Lobkovicz war und es gab hier 18 Bauern und je einen Fleischer, Schneider und Schmied, sämtlich deutscher Nationalität.Im Jahre 1869 hatte Pastvina 401 Einwohner in 78 Häusern, im Jahre 1885 392 Einwohner in 70 Häusern, im Jahre 1928 320 Einwohner in 58 Häusern und im Jahre 1948 werden 174 Einwohner in 64 Häusern angegeben.
 
Die Gemeinde Pastvina war bis zum Jahre 1873 mit Moldava verbunden, dann wurde sie wieder selbständig. Das Pfarramt blieb weiterhin in Moldava und die Post im 6km entfernten Mikulov. Es gab ursprünglich eine Einklassenschule, die durchschnittlich 70 Schüler besuchten, vor dem 1.Weltkrieg wurde sie auf eine Zweiklassenschule erweitert, die 75 Schüler besuchten.
 
Die Einwohner beschäftigten sich mit Land- und Feldwirtschaft, der Hausproduktion von Gegenständen aus Stroh, es gab hier ein Sägewerk, zwei Mühlen, eine Zoll- und Finanzstation. In der Umgebung von Pastvina gibt es eine Menge von Torfbecken mit einer besonderen Flora, im vergangenen Jahrhunderrt wurde Torf gestochen und als Heizmaterial oder Einstreu genutzt, Porzellan oder Glas wurde mit ihm verpackt. Die Arbeiter von Pastvina arbeiteten an der Förderung von Torf, welches im Lobkoviczer Werk bei Nové Město weiterverarbeitet wurde. Es beschäftigte sie auch die Tätigkeit im Wald, das Holz wurde nach Sachsen exportiert. Die Menschen bekannten sich zur deutschen Nationalität, im Jahre 1947 ist nur ein Tscheche genannt, jedoch 73 Deutsche. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es hier nur zwei Vereine – den Landwirtschaftlichen Verein und die Ortsgruppe des Bundes der Deutschen in Böhmen.
 
In Pastvina wurde am 18. 05. 1744 Josef Beer geboren, der erste Solist auf dem Klarinett in Europa, er war Konzertmeister der Hofoper in Berlin, wo er im Jahre 1811 auch verstarb.
 
Pastvina heute, das ist eine große Wiese mit einem herrlichen Deich an der Grenze zu Sachsen.
 

(Autor des Artikels: Mgr. Marketa Kvasňová)